Spinnen im Museum: Die Solo-Schau „ON AIR“ von Tomás Saraceno im Palais de Tokyo in Paris

Foto oben: Tomás Saraceno,  ON AIR, solo exhibition at Palais de Tokyo, Paris, 2018, curated by Rebecca Lamarche-Vadel. Courtesy the artist; Andersen’s, Copenhagen; Esther Schipper, Berlin; Pinksummer Contemporary Art, Genoa; Ruth Benzacar, Buenos Aires; Tanya Bonakdar Gallery, New York. ©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.

Während Politiker um jeden Schritt gegen Umweltzerstörung hin zu erneuerbaren Energien ringen, sind Künstler indes frei die kühnsten Zukunftsvisionen für eine bessere Welt zu kreieren. Der argentinische und in Berlin lebende Künstler Tomás Saraceno ist einer dieser Visionäre für ein sozialeres und umweltfreundlicheres Leben. In seiner aktuellen Solo-Ausstellung „ON AIR“ im Palais de Tokyo in Paris verbindet er Wissenschaft, Technologie und Kunst zu einer körperlichen Erfahrung für den Besucher. 

Spinnenphobiker müssen tapfer sein. Tomás Saraceno hat sich für seine bislang größte Ausstellung mehrbeinige Helfer hinzugeholt: Circa 500 Spinnen sind nicht nur Teil seiner Kunst, sondern machen auch Kunst im Palais de Tokyo. Die Wahrnehmungswelt des Menschen wird in der Ausstellung buchstäblichlich „verwoben“ mit den Geräuschen und Rhythmen nichtmenschlicher Universen, wie dem der Spinnen.

Für Saraceno steht die Idee im Vordergrund, dass der Mensch nicht alleine auf der Welt ist, sondern koexistiert mit anderen Spezies. Er fragt: „wie können wir sensibel werden für anderen Stimmen?“, beispielsweise mit der Arbeit „Webs of At-tent(s)ion“, einer Skulptur aus 76 miteinander verwobenen Spinnennetzen. Vereinzelte Mikrofone übertragen die rhythmischen Geräusche und Vibrationen der Spinnen, mit denen diese ebenso auf Vibrationen aus ihrer Umgebung reagieren. 

Ein begehbares Netz aus klangerzeugenden Seilen

„Alles ist mit allem verbunden“ scheint der Künstler indes zu sagen mit seinem begehbaren Netz aus hunderten klangerzeugenden Seilen: „Algo-r(h)i(y)thms“. Der Besucher ist eingeladen, die Seile zu berühren. Manche produzieren Klänge, andere nicht hörbare, nur spürbare Vibrationen. 

In seiner Video-Installation „Events of Perception“ vermischt Saraceno Sternenstaub mit Hausstaub. Die Bewegungen der Staubpartikel werden von Kameras aufgezeichnet und die so aufgenommenen Daten in Klänge übersetzt.

Vitrinen ergänzen Saracenos Installationen und geben einen Einblick in Recherche und Zukunfts-Utopien seines interdisziplinären Studios (Berlin). Mit dem „Aerocene Float Predictor“ etwa, wird das Reisen um die Welt in einer postfossilen Welt ohne Brennstoffe möglich, indem man den Strömen des Windes folgt.

WEBSDR – eine Antenne überträgt das Zerbersten von Meteoriten

Von der Erde, in die Luft und bis ins Weltall hinaus: Auf dem Dach des Palais de Tokyo hat Saraceno eine Antenne aufgestellt. Diese empfängt Radiofrequenzen aus dem Weltall, die in der Ausstellung auf eine Leinwand projiziert werden. Aufgezeichnet wird hier jedes Zerbersten eines Meteoriten in der Erdatmosphäre. Wissenschaftlich und gleichzeitig poetisch dokumentiert das akustische Gemälde so, wie sich die Welt unablässig verändert. 

Die Ausstellung „ON AIR“, Carte Blanche to Tomás Saraceno im Palais de Tokyo ist noch bis zum 6. Januar 2019 zu sehen. 

Weblink: https://www.palaisdetokyo.com/en

Öffnungszeiten: Mi-Mo 12 bis 23:30 Uhr

PALAIS DE TOKYO

13, avenue du Président Wilson

75 116 Paris

©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.

 

©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.

 

©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.

 

©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.

 

©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.

Tomás Saraceno

ON AIR, solo exhibition at Palais de Tokyo, Paris, 2018, curated by Rebecca Lamarche-Vadel. 

Courtesy the artist; Andersen’s, Copenhagen; Esther Schipper, Berlin; Pinksummer Contemporary Art, Genoa; Ruth Benzacar, Buenos Aires; Tanya Bonakdar Gallery, New York. 

©Photography Studio Tomás Saraceno, 2018.