Die kunstundhelden Presseschau im Januar 2019

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Welche Themen dominierten in den letzten Wochen die Feuilletons? Worüber wurde in der Kunstwelt diskutiert, gestritten? Wer hat polarisiert oder war Liebling der Journalisten? Das aus unserer Sicht Wichtigste und Interessanteste im Januar 2019 hier zusammengefasst und verlinkt zum Nachlesen.

MONOPOL UND SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Statt Adrian Piper und Joan Jonas zeigt das Haus der Kunst in München Solo-Ausstellung von Markus Lüpertz

Groß war die Verwunderung als bekannt wurde, dass das Haus der Kunst in München hat nach der Werkschau von Joan Jonas (Sommer 2018) nun auch die Retrospektive von Adrian Piper abgesagt hat. Bei beiden Ausstellungen handelte es sich um gewichtige Übernahmen anderer Museen: Die Werkschau von Joan Jonas war mit der Tate Modern entwickelt worden und die Retrospektive zu Adrian Piper mit dem Museum for Modern Art New York – bei letzterer handelt es sich um die größte Ausstellung, die das New Yorker Museum je zu einer noch lebenden Künstlerpersönlichkeit ausgerichtet hat. In beiden Fällen führt das Haus der Kunst in München Finanzprobleme als Grund an, resultierend aus „Managementfehlern der Vergangenheit“. Im Juni 2018 war der Direktor des Hauses Okwui Enwezor aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetretenen. Enwezor hatte die Übernahme der Piper-Ausstellung initiiert. Im Oktober 2018 verließ der Chefkurator Ulrich Wilmes ebenfalls vorzeitig das Haus. Seit dem agiert Bernhard Spies als kaufmännischer Direktor und alleiniger Leiter des Hauses. Die entstandene Lücke im Ausstellungsprogramm wird nun mit einer Einzelschau des Malers Markus Lüpertz mit dem Titel „die Zone der Malerei“ (ab September 2019) gefüllt.

„Die Lage ist ernst am Haus der Kunst“ kommentierte Elke Buhr in der Monopol die Ereignissen in München. Für Buhr steht nach der erteilten Absage an die zwei wichtigsten Museen, der gute Ruf des Münchner Ausstellungshauses auf dem Spiel. Buhr bezieht sich auch auf einen ausführlichen Artikel von Jörg Heiser in der Süddeutschen Zeitung, der hinter dem neuen Kurs am Haus der Kunst die Rückkehr zu alten „Männerbünden im Haus der Kunst“ vermutet.

FAZ, Tagesspiegel, Der Spiegel, Artnet News

Diskussion um Kulturgüter aus Kolonialzeit 

Wie soll in Zukunft mit Kulturgütern in deutschen Museen umgegangen werden, die aus der Kolonialzeit stammen? Ausgelöst durch einen vom französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in Auftrag gegebenen Bericht zu in französischen Museen befindlicher Kolonialkunst, dauern auch in der deutschen Museumspolitik die Diskussionen rund um dieses Thema an. Nicht zuletzt auch aufgrund der anstehenden Eröffnung des Humboldt-Forums in Berlin (September 2019), das zukünftig die Ethnologische Sammlung beherbergen wird. Über Stimmen zum Thema von Horst Bredekamp (Gründungsintendant des Humboldt Forums) und des Kolonialismus Forschers Jürgen Zimmerer hatten wir hier schon einmal berichtet.

Nun meldete sich Bénédicte Savoy – Mitverfasserin des Berichtes zum kolonialen Kulturgut in Frankreich (in Berlin lebend) – in der FAZ zu Wort. Dort begreift sie die von Macron eingeleitete Rückgabe von Kulturgütern an ihre Ursprungsländer als „Ende der kolonialen Amnesie“. Und Savoy weiter: „Dies muss auch Folgen haben für das Humboldtforum“.

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters fordert „mehr Proaktivität bei der Rückgabe von Kolonialobjekten an Herkunftsvölker“, wie es im Tagesspiegel zu lesen war. Roman Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz forderte indes für das neue Humboldtforum einen Gedenkraum für das geschehene koloniale Unrecht: „Die Besucher werden in dem Haus sehr viele Informationen über die Zeit des Kolonialismus bekommen. Aber es wäre wichtig, irgendwo auch einen Ort zu schaffen, der darüber hinaus nachdenklich macht und eigene Gedanken und Reflexion zulässt.“

Eine Stimme von afrikanischer Seite zur Rückgabe des kolonialen Kulturguts in Europa meldete sich auf artnet News zu Wort: Dort formulierte der nigerianische Architekt Olajumoke Adenowo seine Vision für ein neues Museum auf dem afrikanischen Kontinent, das die heimgekehrten Schätze beherbergen solle und betonte das identitäststiftende Potential eines solchen Hauses: „The return of these artifacts will represent an opportunity for the young people of Africa to discover and connect with their history and their identity. On a continent where more than 60 percent of the population is under the age of 25, this is vitally important. These young people—the future of the continent—have been starved of access to the deepest elements of their culture.“

Ganz anders schätzt allerdings Jan Fleischhauer im Spiegel die Sache ein und betitelt seine Kolumne so: „Warum afrikanische Kunst in Europa am besten aufgehoben ist“.

Monopol

Interpretation des Musikvideos „Apeshit“ von Beyoncé und Jay-Z

Das Musikvideo „Apeshit“, das im Pariser Louvre gedreht wurde, hat dem Museum im vergangenen Jahr einen Besucherrekord beschert. Sodass man sogar eine eigene Museums-Tour, angelehnt an das Video lancierte. Die Künstlerin und Theoretikerin Grada Kilomba hat das Erfolgs-Video des Musiker-Paares Carter (Beyoncé und Jay-Z) nun für Monopol Bild für Bild analysiert und interpretiert: „Der Louvre ist das Sinnbild von Exzellenz und Genie, er steht für die Kunstgeschichte und historischem Ruhm, aber diese Geschichte ist weiß und männlich und entstammt der Epoche des Kolonialismus. Die Carters besetzen dieses Gebäude, das auf dem Fundament kolonialer und imperialer Beutezüge steht. Sie durchkreuzen diesen Raum der Geschichte, die wir uns üblicherweise abstrakt und körperlos erzählen, mit ihrer physischen Präsenz. Sie performen black excellence. 

SWR 2 und ART

Geschreddertes Bild von Banksy „Love is in the Bin“ wird im Museum Frieder Burda in Baden-Baden ausgestellt

Für großes Aufsehen hat im letzten Jahr der Streetart Künstler Banksy gesorgt, als sich sein Bild „Girl with Balloon“ nach dessen Versteigerung im Auktionshaus Sotheby’s in London für 1,2 Millionen Euro selbst schredderte. Neuer Titel des Werkes: „Love is in the bin“ (Die Liebe ist im Eimer). Ab Februar wird das Bild nun erstmals für einen Monat im Frieder Burda Museum im Baden – Baden ausgestellt. Der SWR 2 befragte den Museumsdirektor Henning Schaper über den Ausstellungs-Coup.

Äußerst kritische Gedanken über die Streetart Credibility des Künstlers macht sich indes Sandra Danicke in der ART. Banksy landet dort in der Kategorie: „Aktuell überschätzt“.

Artnet, Die Zeit, Art

500 Jahre Leonardo Da Vinci – Blockbuster-Ausstellung im Louvre, das Bild der Frau

2019 jährt sich der Tod des großen Renaissance-Künstlers Leonardo Da Vinci zum 500 Mal. Mit einer großen Ausstellung wird der Pariser Louvre in diesem Jahr den Künstler würdigen. Aufgrund kulturpolitischer Spannungen zwischen Frankreich und Italien werden jedoch voraussichtlich wichtige Werke aus italienischen Museen fehlen. Wie Naomi Rea auf Artnet News analysiert, sind dafür die Europa-kritischen Tendenzen der neuen italienischen Regierung verantwortlich.

Susanne Meyer beleuchtet in der ZEIT indes ein Thema der Leonardo- Gemälde selbst: „So herrlich selbstbewusst“. Und meint damit die Frauen in den Gemälden des Meisters, deren Portrait er für die Kunstgeschichte neu erfand. Auch in der aktuellen Print-Ausgabe der ART erkennt Kia Vahland im „Allround-Genie“ Leonardo Da Vinci einen „Frauenversteher“, der mit seinen Portraits die Malerei revolutionierte.

Deutschlandfunk Kultur

David Bowie App

Nach der Erfolgsausstellung im Londoner Victoria & Albert Museum zu Leben und Werk David Bowies gibt es nun die App „David Bowie Is„. Carsten Probst hat die App für Deutschlandfunk Kultur getestet.

Refinery 29

Neuer Horrorfilm mit Jake Gyllenhaal ist Kunstwelt-Satire

Ab Februar ist der Film „Velvet Buzzsaw“ mit Starbesetzung – u.a. mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle als verschrobenem Kunstkritiker – auf Netflix zu sehen (Netflix-Produktion). Natalie Morin fomulierte auf Refinery29.com bereits eine Vorahnung: „Horror movies have already ruined dolls and ancient, Victorian-style houses. Now, thanks to Netflix’s new movie, they’re going to ruin art, too.“

FAZ und Titel Thesen Temperamente (ARD)

100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus wird 100 Jahre alt in diesem Jahr. In der FAZ fragt Niklas Maak ob das Bauhaus tatsächlich das ist, als was es gefeiert wird, nämlich als „Inbegriff eines modernen, weltoffenen, guten Deutschlands“? Und die Kultursendung Titel Thesen Temperamente (ARD) untersucht in einem Fernsehbeitrag was noch von den Ideen des Bauhauses übriggeblieben ist: Hat das Bauhaus sein Ziel erreicht, nicht nur das Design, sondern auch die Gesellschaft zu verändern? Wie aktuell versucht wird Ideen des Bauhaus‘ umzusetzen, zeigt der Beitrag anhand eines neuen Bauprojektes in Heilbronn.

Viel Spaß beim Lesen! Wir wünschen einen schönen Januar!

Foto oben: Pexels; Digital Buggu