Kunst und Umwelt – ein Gespräch mit Julia Herfurth über ihre Auseinandersetzung mit Pflanzengentechnik

Die Künstlerin Julia Herfurth setzt sich in ihren Arbeiten mit gentechnisch verändertem Saatgut auseinander. Vor ein paar Monaten wurden ihre Arbeiten bei kunstundhelden gezeigt, im Moment ist eines ihrer Werke in der Gruppenausstellung PIECES bei KWADRAT zu sehen…

 

Kunstundhelden: Seit wann befasst du dich mit dem Thema Gentechnik?

Julia Herfurth: Ich habe ungefähr vor drei Jahren angefangen mich in meiner Arbeit mit Lebensmitteln zu beschäftigen. Also der Produktion, den Inhaltsstoffen und den Transportwegen. Meine erste Arbeit war eine Radierung auf der Gensoja zu sehen ist, und die aussieht wie eine botanische Illustration aus dem 18. Jahrhundert. Dann kamen die „Tierleben“, ebenfalls Radierungen, die die Lebensdauer von Tieren in der Massentierhaltung wiedergeben und die Coca-Cola-Radierung – eine Radierung, geätzt mit Coca-Cola – bis ich schließlich beim Thema „Monsanto“, einem der größten Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut gelandet bin.

Kunstundhelden: Hast du für die Bearbeitung des Themas bewusst eine Darstellungsweise gewählt, die auf die historische Darstellungsform der botanischen Illustration referiert?

Julia Herfurth: Ein Schweineleben, 2010, Kaltnadelradierung, 17,5 x 9 cm

Julia Herfurth: Ja, bei meiner ersten Arbeit zu diesem Thema wollte ich auf jeden Fall die botanische Illustration aufgreifen. Und das habe ich dann auch bei den anderen Radierungen fortgesetzt.

Früher entstanden botanische Zeichnungen, wenn neue Pflanzen entdeckt wurden, um diese zu dokumentieren. Ich zeige auch eine neue Pflanze. Aber nicht, weil ich neues Land und damit eine neue Pflanzenkultur entdeckt habe, sondern weil es die Pflanze in dieser Art einfach noch nicht gab. Und deswegen steht dann auch nicht der lateinische, sondern der patentierte Markenname der Pflanze darunter.

Kunstundhelden: In der Radierung taucht auch die Mikroschrift auf, die zum Beispiel den Namen des Unkrautbekämpfungsmittels „Roundup“ des Saatgutkonzerns „Monsanto“ widergibt. Wie bist du auf die Idee gekommen mit Mikroschrift zu arbeiten?

Julia Herfurth: Während ich mich bereits mit Lebensmitteln beschäftigte, habe ich eine Ausstellung über Mikroschrift aus dem Mittelalter gesehen und habe dann begonnen, mich näher mit dieser Technik zu befassen. Im Mittelalter wurde Mikroschrift oft für die Darstellung von Monarchen verwendet, aber auch für biblische Themen wie Jesus am Kreuz mit der knienden Maria davor, deren beider Körper mit Hilfe der Mikroschrift dargestellt sind und den Text der Genesis wiedergeben. Das erkennt man aber erst, wenn man näher heran geht. Sonst sieht es auch eher aus wie eine einfache Struktur oder eine Stofflichkeit.

Es hat mich fasziniert, dass man aus Schrift, die Information trägt, ein Bild machen kann. Heutzutage ist Mikroschrift ja nur noch als Sicherheitsmerkmal auf Geldscheinen zu finden. Was wiederum interessant ist in Bezug auf die Gentechnik, die als so sicher gilt, was zumindest von den Herstellern behauptet wird.

Kunstundhelden: Was macht für dich den besonderen Reiz an der Radierung aus?

Julia Herfurth: Coca Cola, 2010, Aquatinta mit Cola, 10 x 20 cm

Julia Herfurth: Die Technik der Radierung ist eine sehr alte Technik. Das Besondere ist, dass Radierungen so lange haltbar sind. Eine Radierung hält mindestens hundert Jahre und wird auch hundert Jahre lang so aussehen, wie sie heute aussieht. Die verwendeten Kupferplatten kann man auch immer wieder verwenden und immer wieder neue Abzüge machen. Man bannt sozusagen etwas für alle Zeit in Kupfer.

Kunstundhelden: Gibt es eine Erkenntnis, die du gewonnen hast, seit du dich mit Gentechnik auseinandergesetzt hast?

Julia Herfurth: Ich habe bemerkt, dass das Thema im Grunde allgegenwärtig ist. Auch durch das neue Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, bei dem es darum geht, ob man die Bestimmungen der USA oder unsere übernimmt.

Kunstundhelden: Findest du generell, dass sich Künstler in ihrer Arbeit mit politischen Themen auseinandersetzen sollten?

Julia Herfurth: Ja, es ist mir wichtig, dass ein Bezug zu realen Themen besteht und die Kunst nicht abgekapselt stattfindet. Denn vielleicht hat man als Künstler noch mehr Freiheit im Umgang mit den Themen und kann dadurch spielerischer andere Perspektiven eröffnen. Da man sich nicht im wissenschaftlichen Kontext befindet, kann man mehr „rumspinnen“. Man kann Thesen aufstellen, ohne ein Ergebnis liefern zu müssen.

Kunstundhelden: Gibt es bestimmte andere Künstler, die für deine Arbeit inspirierend waren?

Julia Herfurth, Foto: Ulrich Fohler

Julia Herfurth: Ja, da wären zum Beispiel Claire Pentecost und Tue Greenfort, die sich in ihren Arbeiten auch mit Umweltfragen auseinandersetzen.

Kunstundhelden: Willst du das Thema in deiner Arbeit weiter vertiefen?

Julia Herfurth: Ja, und ich plane mich auch weiterhin mit der Mikroschrift und mit der Radierung zu arbeiten.

Kunstundhelden: Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen über die Künstlerin: julia-herfurth.de

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