Jens Juul gewinnt ersten Platz des BBA Photography Prize 2021

Jens Juul vor seiner Foto-Serie "Six Degrees of Copenhagen", Foto: Rick Schubert

Zum vierten Mal hat die Berliner BBA Gallery den Photography Prize ausgeschrieben und am vergangenen Samstag, den 27. November 2021, im Rahmen einer Preisverleihung im Kühlhaus Berlin die fünf Gewinner:innen bekanntgegeben.

Die Shortlist Exhibition des diesjährigen BBA Photography Prize mit den 24 Finalist:innen und den Werken der diesjährigen Preisträger:innen ist noch bis zum 12. Dezember 2021 m Kühlhaus Berlin zu sehen.

Die Gewinner:innen des BBA Photography Prize 2021:

Den ersten Preis gewinnt Jens Juul aus Dänemark für seine schwarz-weiß Fotoserie ’Six degrees of Copenhagen’.
Jens Juul erhält für den ersten Platz ein Preisgeld von 1.750 Euro, ein Profil auf der Kunstplattform Artsy.net, ein Feature auf dem Kunstportal artconnect.com und gewinnt eine Einzelausstellung in der BBA Gallery.

In der Foto-Serie Six degrees of Copenhagen’ portraitiert Juul anonyme Fremde. Durch die räumliche Nähe zu den Portraitierten und dem schonungslosen Blick auf den menschlichen Körper, konfrontiert der Fotograf die Betrachtenden in schroffer Weise mit der menschlichen Existenz. In diesen Enthüllungen kommen gleichzeitig Zartheit und Verletzlichkeit zum Ausdruck, sodass die Grenzen zwischen Dokumentation, Gesellschafts- und künstlerischem Portrait verwischen.

Den zweiten Preis teilen sich Camille Gharbi (Frankreich) und Dirk Hardy (Niederlande) und erhalten jeweils ein Preisgeld von 1.250 Euro, ein Profil auf der Kunstplattform artsy.net sowie ein Feature auf dem Kunstportal artconnect.com.

In Ihrer konzeptuellen Arbeit ‘Proofs of Love’ widmet sich Camille Gharbi dem Thema Femizid und Gewalt an Frauen in der Partnerschaft.
Für „Proofs of Love“ (dt. „Liebesbeweise“) hat Camille Gharbi eine Liste von 250 ermordeten Frauen in Frankreich aus den Jahren 2016/2017 erstellt und analysiert und exemplarisch häusliche Gegenstände abgelichtet, die für diese Frauen zur Todeswaffe wurden. Die neutrale Darstellungsweise, die Gharbi für die Objekte wählt, gibt keinerlei Hinweis auf die Gewalttaten, die mit ihnen begangen wurden. Doch gerade diese Diskrepanz zwischen neutralem Objekt und der beigefügte Hinweis auf Name und Alter der getöteten Frauen, unterstreichen die Grausamkeit der Taten.

Camille Gharbi vor ihrer Foto-Serie „Proofs of Love“, Foto: Rick Schubert

Der niederländische Fotograf Dirk Hardy wird für sein fortlaufendes Projekt „Vivarium“ ausgezeichnet. Vivarium besteht aus mehreren Episoden, die jeweils eine Geschichte über eine fiktive Person „erzählen“. Indem er die Menschen auf engstem Raum zeigt, erweckt Hardy Geschichten über das menschliche Dasein zum Leben. Bei der Schaffung seiner konstruierten „tableaux vivants“ verbindet er seine Vorstellungskraft, persönliche Beobachtungen und wahre Ereignisse zu Fiktion. Vivarium Episode 7, mit dem Titel „Intermission“ ist beispielsweise ein Selbstporträt, das während des Lockdowns entstand. Es ist eine Erinnerung an das Trauma, das wir kollektiv teilen, aber alleine ertragen mussten.
Für jede Episode erschafft Hardy eine weitere „Welt“, die er in Lebensgröße in seinem Studio entwirft, baut und fotografiert. Jede Episode dauert 3 bis 4 Monate und wird lebensgroß – eins zu eins – in einem Leuchtkasten mit Fensterrahmen präsentiert.
Weitere Informationen zu Dirk Hardy und Pressefotos

„Vivarium“ von Dirk Hardy im Kühlhaus Berlin, Foto: Rick Schubert

Mit dem dritten Platz des diesjährigen BBA Photography Prize wird Kristina Varaksina (UK) ausgezeichnet, die ein Preisgeld von 750 Euro, ein Profil auf der Kunstplattform artsy.net und ein Feature auf dem Kunstportal artconnect.com erhält.

Varaksina wird für ihre Frauenporträts ausgezeichnet, die die weibliche Psyche beleuchten und Fragen der Schönheit, Selbstwahrnehmung und Selbstentdeckung stellen.
Varaksina blickt durch das Prisma ihrer eigenen Erfahrungen, einer Kindheit und Jugend in Russland, wo in einer Zeit der politischen und wirtschaftlichen Umstrukturierung die Schönheit der Frau zur Ware wurde. Mit ihren Porträts verleiht Varaksina Frauen mit unterschiedlichen ethnischen, sozioökonomischen und kulturellen Hintergründen eine Stimme. Jedes Porträt ist eine Beobachtung und eine Betrachtung. Ein Versuch, eine innere Erzählung äußerlich auszudrücken, die Stimme des Subjekts zu verstärken.

Selbstportrait von Kristina Varaksina

In der Kategorie des People’s Choice Award, für den die Besucher:innen online abgestimmt haben und der von DMB represents gesponsert wird, erhält in diesem Jahr Richard Tuschman (USA) für seine akribisch inszenierte Fotoserie „My Childhood Reassembled“. Tuschman erhält ein Preisgeld von 500 Euro, ein Profil auf der Kunstplattform artsy.net und ein Feature auf dem Kunstportal artconnect.com.
Tuschman wuchs in der amerikanischen Vorstadt der 1960er Jahre auf. „My Childhood Reassembled“, spiegelt seine Erfahrungen aus dieser Zeit und an diesen Ort als kleines Kind wider, das versuchte, seine Welt und seine familiären Beziehungen zu verstehen. Für diese visuellen Memoiren hat der Künstler Episoden aus seiner Kindheit fotografisch nachgestellt. Basierend auf Erinnerungen und Familienschnappschüssen rekonstruierte Tuschman Teile des Innen- und Außenbereichs seines Elternhauses. Anschließend führte er Regie und fotografierte ein Ensemble von Schauspieler:innen, die seine Familienmitglieder spielten.
Der Titel „My Childhood Reassembled“ bezieht sich nicht nur auf den Akt der physischen Rekonstruktion der Umwelt, sondern bezieht sich auch auf die Wissenschaft, die gezeigt hat, dass Erinnerungen nicht statisch sind, sondern jedes Mal neu erstellt und zusammengesetzt werden, wenn sie im menschlichen Gehirn aktiviert werden.
Das Ziel des Künstlers war es, ein Bild zu schaffen, das sowohl die Freude als auch das Pathos der Kindheit ausdrückt, wie sie sich im schwankenden und sich ständig verändernden Spiegel der Erinnerung widerspiegeln.

Richard Tuschman: Morning Coffee

In der Kategorie des One Shot Award hat der italienische Fotograf Calogero Cammelleri gewonnen, mit einem zeitlosen schwarz-weiß Portrait.

Calogero Cammelleri gewinnt den „One Shot Award“, Foto: Rick Schubert

BBA Photography Prize – Shortlist Exhibition:

Die Shortlist Exhibition des diesjährigen BBA Photography Prize mit den 24 Finalist:innen und den Werken der diesjährigen Preisträger:innen ist noch bis zum 12. Dezember im Kühlhaus Berlin zu sehen.

Ausstellung des BBA Photography Prize 2021:

26. November bis 12. Dezember
Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11–19 Uhr (2G-Regelung)
Website der BBA Gallery: https://bba-gallery.com

Der BBA Photography Prize

Der internationale Fotografie-Wettbewerb wurde 2017 von der Berliner BBA Gallery ins Leben gerufen um aufstrebende Fotografie-Talente zu entdecken und zu fördern. Die Bewerbungskriterien haben die drei Galeriedirektor:innen Nele Ouwens, Renata Kudlacek und Vishal Shah bewusst weit gefasst: Fotograf:innen jeden Alters (ab 18), unabhängig von ihrem Ausbildungshintergrund, ihrem fotografischen Thema oder Karrierestadium können sich bewerben.
Unterstützt wird das Galerieteam in diesem Jahr wieder von einer internationalen Jury, Kühlhaus Berlin, dmb represents und der Kunstplattform artconnect.

Seit seiner Gründung verzeichnet der Photography Prize Jahr um Jahr wachsende Bewerbungszahlen, sodass in diesem Jahr erstmals 24 Fotograf:innen in die Shortlist aufgenommen und in einer finalen Gemeinschaftsausstellung auf 600 Quadratmetern im Kühlhaus Berlin präsentieren werden.

Die 24 Fotograf:innen der Shortlist 2021:

Andreas Kremer, Deutschland

Andreas Rost, Deutschland

Astrid Reischwitz, USA/Deutschland

Bella von Einsiedel, Deutschland

Camille Gharbi, Frankreich

Catherine Panebianco, USA

Chloe Meynier, USA

Diana Cheren Nygren, USA

Dirk Hardy, Niederlande

Frank Herfort, Russland/Deutschland

Gregg Segal, USA

Hugh Kretschmer, USA

Jens Juul, Dänemark

Julia SH, USA
Kriss Munsya, Kanada

Kristina Varaksina, Großbritannien

Mieke Douglas, Großbritannien

Miloš Nejezchleb, Czech Republic

Nicky Hamilton, Großbritannien

Offer Goldfarb, Israel

Richard Tuschman, United States

Renata Dutrée, The Netherlands

Serena Dzenis, Iceland

Viktoria Sorochinski, Canada/Germany


Die Jury des BBA Photography Prize 2021:

  • Kristian Skeie – Fotograf für humanitäre Dokumentarfotografie, Professor für Fotografie, lebt und arbeitet in der Schweiz, Sarajevo, Bosnien und Herzegovina
  • Andrea Wenzler – CEO and Direktorin von Kühlhaus Berlin
  • Thomas Licek – Managing Director Eyes on Vienna and Jury Mitglied des European Month of Photography Berlin
  • Gen Sadakane – Co-founder and Creative Director der Berlin Photo Week & Fake Agency
  • David Birkitt – CEO und Gründer von DMB Represents LDN, NY, LA. Teil der DMB Group
  • Antya Umstätter – Professor für neue Medien an der Hochschule für Technik Berlin
  • Heiko Tiemann – Künstler, Fotograf und Tutor. Gründer von Fotowerkstatt. Lebt und arbeitet in Düsseldorf
  • Vishal Shah – Direktor der BBA Gallery, Creative Director und multidisziplinärer Künstler
  • Renata Kudlacek – Direktorin der BBA Gallery, Kuratorin, Künstlerin und Kunstdozentin
  • Nele Ouwens – Direktorin der BBA Gallery, Kuratorin, Künstlerin und Kunsthistorikerin